
Sie wollen etwas über den Autor erfahren? Über mich? Lohnt sich das überhaupt? Im Grunde zählt ja nur die Geschichte, nicht der Erzähler. Wenn Sie eines meiner Bücher gelesen haben, vielleicht sogar ein paar spannende Stunden damit verbracht haben, und ich Ihnen ordentlich Angst einjagen konnte, dann ist mein Teil des Jobs getan. Aber gut, wo Sie nun schon einmal hier sind, will ich Sie nicht enttäuschen und ein paar Dinge über mich erzählen – auch auf die Gefahr hin, Sie zu langweilen.
( Natürlich bin ich ein unglaublich interessanter Mensch, mein Leben ist an sich schon ein Buch wert, aber understatement kommt irgendwie besser an, hat mein PR-Berater gesagt ).
Ich wurde an einem eiskalten, stürmischen Wintertag im Dezember des Jahres 1968 in einem kleinen Nest auf dem Lande geboren. Die Hebamme fürchtete sich zu Tode bei ihrem ersten Blick in meine dunklen Augen. Sie hängte daraufhin ihren Beruf an den Nagel und wurde Missionarin im zentralpatagonischen Innlandeis.
Nun würde ich Ihnen gern erzählen, dass schon mein Lehrer in der ersten Klasse mein ungeheures Talent erkannte und mich sofort auf eine Schriftstellerschule schickte. Aber so war es nicht, ganz und gar nicht. Es gab keinen Zuspruch und keine Förderung, weder aus der Familie noch der Schule. Nur Kopfschütteln über die Auswahl meiner Lektüre und dem später folgenden Wunsch, selbst zu schreiben. Ein beträchtlicher Teil meiner Buchsammlung ( okay, es waren Groschenromane ) befindet sich noch immer im Besitz verschiedener Lehrer, die sie mir wegnahmen, wenn ich damit ihren langweiligen Unterricht überbrücken wollte. An dieser Stelle ein herzliches Danke für die zusätzliche Motivation!
Seit 1993 bin ich mit der einzigen Frau verheiratet, die je für mich in Frage kam. Das ich den langen und quälenden Weg bis zur ersten Veröffentlichung überhaupt gehen konnte, verdanke ich ihr. Wir sind uns beide sicher, dass wir diesen Weg bis zum Ende gemeinsam gehen – zwangsläufig, denn mittlerweile wissen wir einfach zu viel voneinander; dunkle, grausige Geheimnisse …
1994 wurde unsere Tochter geboren. Zu ihrem Unglück hat sie den Charakter ihres Vaters geerbt. Zusammen leben wir in einem gruseligen alten Haus am Waldesrand in der Nähe von Bremen. In klaren, stillen Nächten hören wir wispernde Stimmen vom nahen Friedhof herüberwehen.
Im Laufe meines Lebens habe ich einige Jobs gemacht. Ich war Ausbilder bei der Armee, Sportlehrer, Versicherungsfachmann, Taxifahrer. Dazwischen noch ein paar Eskapaden, die keiner weiteren Erwähnung wert sind. Eigentlich war ich ständig auf der Flucht von einem Job zum nächsten, immer hoffend, die Schreiberei möge mich vom Joch der Arbeit befreien. Denn das Schreiben ist meine Berufung, meine Leidenschaft!
Darüber hinaus bin ich ein Outdoorfreak. Wer sich mit einem Kajak auf Flüssen oder Seen herumtreibt, wer mit Rucksack und Zelt in den Wäldern unterwegs ist, wer in den atemberaubenden Dolomiten klettert oder Hochtouren auf die 4000er der Alpen unternimmt, der könnte dabei auf mich treffen. Ich würde mich freuen! Abends, am Lagerfeuer in der freien Natur, mit dem Ruf eines Käuzchens im Hintergrund, kann man noch immer die besten Gruselgeschichten erzählen, nicht wahr!
Das sind die Fakten. Nichts besonderes, oder? Natürlich sind wie immer die Geheimnisse hinter den Fakten viel interessanter. Alle kann und werde ich Ihnen nicht verraten, sonst laufe ich Gefahr, ein sehr einsamer Mensch zu werden, aber ein paar schon. Denn wer sich so weit vorgewagt hat wie Sie, soll auch einen kurzen Blick in die Hölle werfen dürfen.
Beginnen wir mit dem Schreiben.
Wie kommt jemand mit einem halbwegs gesunden Menschenverstand dazu, Thriller zu schreiben? Wie kommt man überhaupt zum Schreiben?
Nun, ich weiß nicht, wie es bei anderen Autoren gelaufen ist, aber bei mir hat Einsamkeit eine große Rolle gespielt. Wer einen derart morbiden Charakter und einen solch schwarzen Humor hat wie ich, der findet nur schwer Freunde und verbringt die allermeiste Zeit allein. Allein mit Büchern! Im zarten Alter von Acht las ich meinen ersten Horrorroman – und war vom Stand weg süchtig! Was für eine wunderbar erschreckende Welt doch hinter der Realität lauert! Fortan las ich, was ich in die Finger bekommen konnte und mir nicht weggenommen wurde. Stephen King wurde zum Wegbegleiter meiner Jugend, seine wunderbar realistischen Figuren meines Alters zu meinen besten Freunden.
Später, ich muss wohl so an die vierzehn Jahre alt gewesen sein, begann ich selbst zu schreiben. Zunächst handschriftlich bei lauter Musik in karierte Mathehefte, später auf einer mechanischen Schreibmaschine zu lauter Musik auf normalem Papier. Ich klaute wo ich konnte, wäre wohl wegen Plagiatismus hingerichtet worden, wenn es jemand mitbekommen hätte, fühlte mich aber wie der größte Schriftsteller unter der Sonne und wusste: Das ist mein Leben!
Hätte mir jemand gesagt, dass mein Leben mindestens die nächsten zwanzig Jahre völlig anders aussehen würde, ich glaube, ich hätte die Schreibmaschine unters Bett geschoben und wäre raus gegangen, um mit den anderen Fußball zu spielen. Oder den Mädchen nachzuschauen. Irgendwas normales eben.
Aber niemand warnte mich, also machte ich weiter. Und ob Sie es glauben oder nicht, an die vielen vielen dunklen Jahre, die nichts mit Schreiberei zu tun hatten, kann ich mich heute kaum noch erinnern, an die kurzen Episoden, in denen es so aussah, als würde ich es schaffen, aber sehr wohl. Und diese kurzen Episoden der Hoffnung waren Nahrung und Antrieb genug, um durchzuhalten. Falls also jemand einen Tipp von mir möchte, hier ist er:
Anfangen, dumme Kommentare ignorieren, weitermachen, Rückschläge lächelnd wegstecken, weitermachen, sich einen Partner suchen, der zu einem hält, weitermachen … und irgendwann zur richten Zeit mit dem richtigen Können an der richtigen Stelle sein.
… und suchen Sie sich einen Agenten, dadurch wird alles einfacher!





